Zunächst: Der Spaß am Segelfliegen beginnt keineswegs erst mit Erlangen des Segelflugscheins, sondern schon beim ersten Start, dem ersten lautlosen Gleiten durch ein neues Medium, dem ersten Griff an den Steuerknüppel. Umgekehrt endet die Ausbildung damit aber noch längst nicht. Segelfliegen heißt auch nach 1000 Flugstunden noch dazuzulernen, ein noch besseres Gespür für die Luft zu bekommen, sich immer neue Ziele suchen.
 
 

Für die Entschlossenen die Formalitäten zuerst:

Voraussetzungen für den Ausbildungsbeginn:

  • Mindestalter: 14 Jahre (bei Minderjährigen Einverständnis der Eltern)
  • Nachweis der Flugtauglichkeit durch einen Fliegerarzt 
  • Auszug aus dem Verkehrszentralregister (Antrag an das Kraftfahrtbundesamt)
  • Polizeiliches Führungszeugnis (Antrag an das Einwohnermelde-/ Bürgeramt)
  • Vereinsmitgliedschaft (Beitrittsformular)
Wen das jetzt abschreckt: Im Rahmen unsere Schnupperlehrgangs ist es möglich, zum Selbstkostenpreis für eine Woche Flugschüler zu sein – ganz zwanglos, ohne Vereinsmitgliedschaft und ohne den oben genannten Papierkram.
Formalitäten!

Doch was steckt eigentlich dahinter? Nach einem gründlichen Vorflugcheck erfolgt mit Fluglehrer der erste Windenstart, bei dem das Segelflugzeug mit einem ca. 1000 m langen Stahlseil auf eine Höhe von ca. 300-400 m geschleppt wird. Eine Beschleunigung in ca. 3-4 Sekunden auf 100 km/h und der steile Steigwinkel machen diesen Start beim ersten Mal zu einem beeindruckenden Erlebnis.

Dann geht’s um das Fliegen lernen, die koordinierte Bewegung des Flugzeuges um die drei Achsen. 

Dafür stehen dem Piloten drei Ruder zur Verfügung: Das Höhen- und das Querruder, die über den Steuerknüppel betätigt werden, sowie das Seitenruder, dessen Bedienung über die Fußpedale erfolgt. 

In den nächsten Wochen und Monaten heißt es dann immer wieder: auf den Horizont achten, Faden gerade?, Vorhalten und irgendwann nur noch landen, landen, landen.
 

Der erste Flug

Nach in der Regel 30-70 Starts ist es dann soweit und der angehende Pilot wird für fähig gehalten, das Fluggerät auch ohne Fluglehrer sicher hoch und vor allem wieder runter zu bringen. Ohne Herzklopfen ist dieser Moment wohl noch an keinem Segelflieger vorübergegangen, das erste Mal da oben ganz auf sich allein gestellt.... Damit der Pilot dort aber auch wirklich weiß, was er zu tun hat, müssen zuvor zwei Fluglehrer unabhängig voneinander die „Alleinflugreife“ bestätigen.
Der erste ALLEINflug

Wer glaubt, nun sei der wichtigste Teil der Ausbildung abgeschlossen, wird leider bitter enttäuscht werden. Nun geht es erst richtig los! In Alleinflügen oder mit Fluglehrer werden die fliegerischen Fähigkeiten weiterentwickelt: Starts und Landungen bei stärkerem Seitenwind, der unter Flugschülern berühmt-berüchtigte „Slip“ (ein Seitengleitflug für steile Landeanflüge), die Umschulung auf andere Segelflugzeugmuster sowie die Ausbildung in einer anderen Startart, dem Flugzeugschlepp.

Eine Besonderheit des FSV Saarbrücken ist, daß der gesamte Flugzeugpark dem fliegerischen Fortschritt entsprechend in der Ausbildung eingesetzt wird, auch Flugschüler also die Möglichkeit haben, in moderen Kunststoffeinsitzern zu fliegen.

Neben der technischen Beherrschung des Flugzeugs tritt im weiteren Verlauf der Ausbildung das Erlernen des Thermikfliegens immer mehr in den Vordergrund, d. h. das Entwickeln der Fähigkeit, auch schwächere thermische Aufwinde für längere Flüge nutzen zu können. Ganz automatisch wird man sich dabei dann auch mit anderen Flugschülern oder Piloten messen, wer bleibt länger oben, wer kurbelt den „Bart“ am besten aus?
 

Oben bleiben !

Die gesamte praktische Ausbildung im Verein wird von einer theoretischen begleitet. Für den Erwerb des Luftfahrerscheins für Segelflug (PPL-C) sind außerdem 60 feste Unterrichtsstunden in den Fächern Meteorogie, Luftrecht, Technik, Navigation und Verhalten in besonderen Fällen innerhalb von 4 Jahren vor der Prüfung vorgeschrieben. Diese werden i. d. R. im Winterhalbjahr gemeinsam von den Vereinen des Aero-Clubs Saar 1 x wöchentlich abends angeboten.
 
Theorie

Die bestandene theoretische Prüfung ist Voraussetzung für den ersten 50km-Überlandflug, bei dem sich der Flugschüler das erste Mal alleine aus dem Gleitbereich des eigenen Segelfluggeländes herausbewegt. Und auch wenn sich 50 km vergleichsweise bescheiden anhören im Vergleich zu dem, was an guten Tagen so an Strecken aufgeschrieben wird in Marpingen, so ist es doch wieder ein Erlebnis, zum ersten Mal darauf angewiesen zu sein, mit der Thermik zurecht zu kommen, wenn man Marpingen wieder erreichen will. Ansonsten muß man sich halt einen Acker suchen für die erste Außenlandung, die aber mit Sicherheit nicht die letzte bleiben wird.
Der erste Acker ?

Der 50 km-Flug stellt i. d. R. die letzte Stufe vor der Prüfung zum staatlichen Luftfahrschein für Segelflugzeugführer (PPL-C) dar.

Für den Erwerb des Scheins müssen neben den erforderlichen fliegerischen Fähigkeiten folgende formale Voraussetzungen erfüllt werden: 

  • Mindestalter 17 Jahre
  • Mind. 30 Flugstunden auf verschiedenen Segelflugmustern, davon mind. 15 Alleinflugstunden
  • Mind. 60 Starts, davon mind. 20 Alleinstarts
  • Überlandflugausbildung mit 50 km Überlandflug allein 
  • Theoretische staatliche PPL-Prüfung nach 2/3 der praktischen Ausbildung möglich
  • Praktische staatliche PPL-Prüfung nach Ende der praktischen Ausbildung (innerhalb von 12 Monaten nach der theoretischen Prüfung) 
  • Sprechfunkzeugnis (BZF I oder II)
  • Erste-Hilfe-Lehrgang / Sofortmaßnahmen am Unfallort
Bis zum Erwerb des PPL-C dauert es in Abhängigkeit vom persönlichen Einsatz ca. 1,5 – 3 Jahre.
PPL, Beiblatt C
(DER Schein !)

Neben der Tatsache, daß man von nun an in Eigenverantwortung fliegt (und nicht im Zweifelsfall den Fluglehrer mit reinzieht), bedeutet der PPL-C vor allem, daß man sich nun dem widmen darf, was Segelfliegen eigentlich ausmacht, dem Überlandfliegen.

Das heißt sich morgens nach Studium des Segelflugwetterberichts eine mehr oder weniger lange Strecke auszusuchen und diese dann im Laufe des Tages mehr oder weniger erfolgreich zu bewältigen. I. d. R. sind die Strecken dabei als Dreiecks- oder Zielrückkehrstrecken ausgelegt. Die geflogenen Strecken können dann bei dezentralen Meisterschaften eingereicht werden, wobei sowohl die zurückgelegte Strecke als auch die Geschwindigkeit, die im Durchschnitt erreicht wurde, gewertet wird. Die Dokumentation erfolgt über Photos von vorher definierten Wendepunkten oder aber zunehmend über eine GPS-gestützte elektronische Flugwegaufzeichnung.

Von Marpingen aus werden an thermisch guten Tagen von „durchschnittlichen“ Vereinspiloten Strecken über 300 km geflogen, die längsten liegen i. d. R. über 700 km. (Nach nur 150 km Luftlinie ist man übrigens schon mitten im Schwarzwald!)
 

Höher, schneller,
weiter

Klar, daß es irgendwann reizt, das Segelfliegen auch in anderen Gegenden auszuprobieren. Dabei lassen sich dann auch die im Saarland kaum anzutreffenden Aufwindarten des Hangaufwinds und des Wellensegelflugs kennenlernen. Immer gilt es aber, sich vor dem Fliegen in unbekanntem Gebiet gründlich von ortsansässigen Fliegern einweisen zu lassen. Bevorzugte Gebiete für Segelflieger sind u. a: 
  • Deutsche Mittelgebirge (schwäbische Alb, Schwarzwald, Erzgebirge, ...) mit thermisch hervorragenden Bedingungen.
  • Die Alpen mit Thermik, Hangaufwind und Leewellen, die zudem das Erleben des beeindruckenden Alpenpanoramas aus ganz neuer Perspektive ermöglichen.
  • Neuseeland war bis vor kurzem das Land, in dem die längsten Segelflüge der Welt durchgeführt wurden, ermöglicht durch die Leewellen der neuseeländischen Alpen.
  • Australien, Namibia oder Südafrika bieten thermisch Bedingungen, von denen man in Deutschland nur träumen kann.
  • Die argentinischen Anden bieten hervorragende Wellenflugbedingungen und werden derzeit gerade segelfliegerisch „erschlossen“ (mountain-wave-project)
Andere Länder,
andere (Flug-)sitten

Segelfliegen ist „Sport“, und so gibt es in der Saison eine Vielzahl von Wettbewerben, die es ermöglichen, die eigenen fliegerischen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen einzuschätzen. Dabei gibt es zunächst die sogenannten "dezentralen Wettbewerbe", bei denen jeder Flug eingereicht werden kann und nach verschiedenen Wertungsformeln dann über die gesamte Saison klassen- oder vereinsweise eine Rangliste erstellt wird (der FSVS darf sich rühmen, im Saarland dabei seit Jahren vorne zu liegen).

Neben den dezentralen Meisterschaften gibt es natürlich die zentralen Wettbewerbe, wobei neben den Landes-, Bundes- und internationalen Meisterschaften auch zahlreiche kleinere Wettbewerbe angeboten werden, die auch für Anfänger des Streckenfluges geeignet sind. 

Bei den Wettbewerben werden den Teilnehmern als Tagesaufgaben bestimmte Flugstrecken vorgegeben, die es in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen gilt. Neben den „klassischen“ Dreiecksstrecken setzen sich dabei immer mehr Aufgaben durch, die es den Piloten ermöglichen, ihre Streckenführung den kleinräumigen Wetterbedingungen besser anzupassen (z. B. "Assigned Area Task, AAT"). Die Einteilung der teilnehmenden Segelflugzeuge in bestimmte Klassen oder eine Wertung der Flüge über einen Segelflugzeug-abhängigen Index gewährleistet dabei, daß der Einfluß der Leistung des Segelflugzeugs minimiert wird (Indexliste des DAEC).

Bei großen Meisterschaften (Welt-/ Europa-) werden in letzter Zeit mit Hilfe der Satelliten-gestützten Flugwegaufzeichnung und Datenfernübertragung die Flugverläufe ausgewählter Piloten online ins Internet übertragen. So ist es interessierten Segelfliegern möglich, die Bewältigung der Tagesaufgaben von zu Hause aus mitzuverfolgen.

Eine gerade für jüngere Flugschüler interessante Form des Wettbewerbes sind die Landes- bzw. Bundesjugendvergleichsfliegen. Hieran dürfen Piloten und Flugschüler bis 21 Jahren teilnehmen und es geht dabei nicht um Streckenflüge, sondern um das Beherrschen des Segelflugzeuges unter verschiedenen Flugbedingungen. Das Bundesjugendvergleichsfliegen 2000 fand auf unserem Fluggelände in Marpingen statt (Sonstige Aktivitäten).
 

Wettbewerbe

Eine kleine Auswahl dessen, was man als Pilot an Berechtigungen und Scheinen noch so ansammeln kann: 
  • Die Segelkunstflugberechtigung  
  • Weiterbildung zum Motorseglerschein (PPL-B)
  • Die Fluglehrerprüfung
  • ...
Noch mehr Scheine...

Natürlich gibt es für die, die nach „bleibendem“ Ruhm streben auch Rekorde, die erflogen werden können. Die Rekorde werden dabei unterteilt in 
  • Rekorde für die Länge der geflogenen Strecke in verschiedenen Kategorien (Dreiecke, Zielflüge, freie Flüge, ...)
  • Rekorde für die erzielte Durchschnittsgeschwindigkeit über bestimmte Streckenarten (z. B. 500 km – Dreieck)
Gewertet wird in bestimten Klassen, in die die Segelflugzeuge je nach Bauart eingeteilt werden. Dabei ist es erstaunlich, daß trotz der erheblichen Fortschritte im Segelflugzeugbau viele Rekorde schon seit Jahrzehnten bestehen (Deutsche und Internationale Rekorde).
Rekordjagd

Und für die, die das ganz große Ziel brauchen: Der Rekord für den längsten Segelflug der Welt liegt derzeit bei 3.008 km, erflogen am 21.01.2003 von Klaus Ohlmann in den Leewellen der Anden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug etwa 200 km/h, bei einer Flugzeit von über 15 h.
Das Ziel: 3008 km ?