Auch mal raus!     Auslandsaktivitäten des Flugsportvereins Saarbrücken e.V.

Ohne Zweifel ist die Landschaft des nördlichen Saarlandes und die der angrenzenden Gebiete, wie Hunsrück, Eifel oder Nahetal außerordentlich reizvoll und an vielen Tagen von der Termik her sehr gut befliegbar. Dennoch sollte man immer wieder mal - im wahrsten Sinne des Wortes - seinen Horizont erweitern und andere Gegenden oder Länder erkunden. So zieht es Mitglieder der Flugsportvereins Saarbrücken e.V. immer wieder weg vom heimischen Saarland in ferne Regionen. Laut Satzung ist es dabei möglich, Vereinsflugzeuge mitzunehmen und im Ausland zu Vereinskonditionen zu fliegen. Weiterhin ist es aber auch auf allen hier vorgestellten Flugplätzen möglich, als Inhaber einer gültigen Lizenz und nach einem Einweisungs- bzw. Überprüfungsstart mit einem heimischen Fluglehrer ein Segelflugzeug vor Ort zu chartern.

Folgende besuchten Gebiete sollen kurz vorgestellt werden:
- Alpensegelflug in Fayence / Cote d´Azur und Barcelonette / Haute Provence
- Fliegen in den österreichischen Alpen (Reutte-Höfen)
- Extremtermik über der ungarischen Steppe
- Hang- und Termikfliegen im Riesengebirge - Die Tschechische Republik
 

Alpensegelflug in Fayence / Cote d´Azure und Barcelonette / Haute Provence
„In der Welle auf 6000 m N.N.“

Segelflug im Flachland im Vergleich zu Alpensegelflug verhält sich wie Windsurfen auf einem Baggersee im Vergleich zu Surfen vor Hawaii. Sprich, es liegen Welten dazwischen. Nicht nur, daß man in den Wellen auf fünf-, sechstausend Meter oder mehr über dem Meeresspiegel aufsteigen kann, wo hingegen im Flachland meist bei 2000 Meter über Grund Schluß ist. Es ist vielmehr die atemberaubende Landschaft, die selbst im Hochsommer schneebedeckten Gipfel des Zentralkammes der Alpen und die in türkis leuchtenden Bergseen. Unnötig zu erwähnen, daß die Alpen kein Anfängerrevier sind. Das Fliegen hier ist ungleich gefährlicher, man muß sich viel strikter an bestimmte Regeln halten und zu jeder Zeit vollkommen konzentriert sein. Gerade in den französischen Hochalpen verunglücken jedes Jahr mehrere Piloten schwer oder gar tödlich. Dies darf man nie vergessen, will man in dieses Extremrevier für Segelflieger einsteigen.

Zwei beliebte Fluggelände seien hier exemplarisch kurz vorgestellt:

Nach Fayence in der unmittelbaren Nähe von Cannes und Nizza fahren Mitglieder unseres Vereines schon seit mehr als dreißig Jahren. Die Vorzüge dieses Flugplatzes liegen auf der Hand:

- die Nähe zum Mittelmeer und zu den Metropolen der Cote d´Azur
- gleichzeitig die Möglichkeit zum direkten Einstieg in die Hochalpen
- Fliegen in der Termik sowie Hangsegelflug sind möglich

- das schon im Frühjahr sehr gute Wetter (während es im Saarland und dem Rest von Deutschland noch schneit, sind es hier oft schon über 20 °C)
- der in Fayence sehr intensive Mistral ermöglicht Wellenflüge bis auf extreme Höhen, die nur noch unter Einsatz von Atemgeräten durchzuführen sind

Lange Jahre wurde unser Kunststoffdoppelsitzer ASK 21 im Herbst nach Fayence verfrachtet, wo er unseren Mitgliedern bis zum Start der nächsten Saison (meist um die Ostertage) zur Verfügung stand. Eine Tradition, die nunmehr wiederbelebt werden soll. Auf der anderen Seite verfügt der Flugplatz von Fayence über einen qualitativ und quantitativ so überragenden Flugzeugpark, daß nie Mangel an einem geeigneten Fluggerät sein sollte. Fayence ist wirklich immer eine Reise wert. Und es ist sicher, daß über Ostern 2002 wieder Mitglieder des FSV Sbr. vor Ort sein werden.

Während Fayence noch eine gute Mischung aus flachem Gelände mit guter Termik und mittleren Gebirge mit Wellen- oder Hangtermik bietet, ist Barcelonette ein absolut reines Hochgebirgsrevier. Umgeben von 3000 - 3500 m hohen Bergen, geht es in Barcelonette immer direkt an den Hang. Nichts für schlechte Nerven, auch kein Gebiet für Alpenfluganfänger. Dafür bleibt ein Flug in dieser Region sicherlich für alle Zeiten unvergessen. Vielleicht bekommt ihr ja mal die Gelegenheit, mit einem erfahrenen Piloten in dieser Region zu fliegen. Da wird Segelfliegen dann plötzlich zum Extremsport. So zieht es auch nur die besten und erfahrensten Piloten unseres Vereins regelmäßig dort hin. Für die gibt es aber keine Alternative zu Barcelonettes.
 

Fliegen in den österreichischen Alpen (Reutte-Höfen)
"Herantasten an die Alpen"

Für die, die das Segelfliegen in den Alpen erstmal etwas sachte angehen wollen, bietet sich Reutte am Anfang des Lechtals im Allgäu an. Zwei Vereinsmitglieder erkundeten diesen Platz im Sommer 2001, als in Marpingen gerade verbissen um die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft gekämpft wurde. Wie sich zeigte, war der Platz ideal, um erste Erfahrungen im Alpenfliegen zu sammeln. Einerseits liegt der Platz schon soweit in den Bergen drin, daß es aus der Winde heraus immer gleich an den Hang geht, man sich als Flachlandflieger also nicht mit thermischem Fliegen darum "drücken" kann. Andererseits zeigen sich die Alpen aber auch noch nicht von ihrer schroffsten Seite, und insbesondere im Lechtal bieten sich noch genügend Außenlandemöglichkeiten (die dann natürlich auch genutzt werden mußten...).

Und auch wenn sich unsere Alpenneulinge noch an keine größeren Strecken getraut haben, so gab's doch unvergessliche Flugerlebnisse. Sechs Tage Traumwetter, jeden Tag Fliegen von mittags bis abends, um die Zugspitze rum, Schloß Neuschwanstein in der Abendsonne aus der Luft, und ein Haushang, dessen Hangthermik immer trug (Auszug aus dem Funkverkehr: "Ich komme jetzt runter und lande." - "Nee, hab' noch keine Zeit den Flieger mit wegzupacken, ich will erst noch duschen." - "Okay, dann bleib' ich halt noch 'ne halbe Stunde." - also wieder an den Hang, ne halbe Stunde hin und her - "Jetzt kannst du runterkommen." - na endlich!)
 

Supertermik über der ungarischen Steppe
„Die Mischung aus Fliegen und Party macht’s“

1999 fuhren mehrere Mitglieder der FSV Sbr. (darunter zwei Fluglehrer) und mehrere Mitglieder unseres Partnervereins in Siófok nach Ungarn. Ziel war es, sich zu entspannen, Spaß zu haben und zu Fliegen - schon auch in dieser Reihenfolge. Denn wer ein solches Land besucht, der sollte mehr als nur den Flugplatz gesehen haben. Und das haben wir! Stationiert am Valance-See konnte man schwimmen, faul in Sonne liegen, Partys mit „Gegrilltem“ feiern, den billigen und dennoch guten Wein der Region trinken und die nähere Umgebung erkunden. Nach Norden ist es nur eine Stunde bis nach Budapest, nach Süden eine Stunde zum Plattensee (Balaton), dem größten Binnensee Europas. An dem pulsiert im Sommer auch das Leben, Siófok ist irgendwie auch das El Arenal des Ostens.

Es gibt auch in Siófok einen Fluglatz mit Segelflugbetrieb, wir waren jedoch an einem kleinen Platz südlich von Dunaújváros in der Nähe unseres Standortes am Valance-See. Dort stellte man uns bereitwillig - wenn auch nicht billig - eine IS 26b zur Verfügung, einen etwas schwerfälligen osteuropäischen Metall-Doppelsitzer. Dies störte nicht lange, da sich schnell herausstellte, daß die kontinentale Termik in Ungarn unsere Vorstellungskraft  sprengte. In riesigen Kreisen ging es mit 5 Meter integriert oder mehr nach oben. Von dort war der Ausblick auf die Donau und die Ebene herum atemberaubend und für uns alle unvergeßlich.
 

Hang- und Termikfliegen im Riesengebirge - Die Tschechische Republik
„Fliegerurlaub zu Tieflugpreisen“

In Ungarn ist das Leben im Urlaub noch immer verhältnismäßig günstig. Dies gilt für alle Regionen außer Budapest und den Plattensee. Hier zahlt man bereits auf Westniveau. Wirklich preisgünstigen Urlaub in wunderschöner Landschaft macht man dagegen in der Tschechischen Republik. „Der Liter Bier ist hier billiger als der Liter Benzin“ mußten wir schon nach kurzer Zeit feststellen. Ziel unsrer Reise war ein kleiner Flugplatz am Rande des Riesengebirges. Wir wohnten in einem Luxushotel in einem Kurort in der Nähe, für sagenhafte 25 DM pro Person und Nacht inklusive Frühstück. Dort konnte man auch Mountanbikes ausleihen, super über den Kamm des Riesengebirges wandern (mit unendlichem Blick in die Ebene von Polen) und toll essen und trinken. Auch in der Tschechischen Republik stand wie in Ungarn die Fliegerei nur an zweiter Stelle, hinter der Entspannung pur. Aber natürlich charterten wir bald schon einen Blanik, den wir nach einer kurzen Überprüfung dann alleine fliegen durften. Nach einem Höllenritt im F-Schlepp hinter einer Zlin-Kunstflugmaschine konnten wir den Ausblick einmal in die Ebene mit sehr guten termischen Bedingungen, einmal auf den Hauptkamm des Riesengebirges mit guten Bedingungen für Anfänger im Gebirgsflug genießen.

Es ist fest geplant, in dieser Gegend einmal ein Fliegerlager des FSVS durchzuführen.