Segelfliegen ist Fliegen angetrieben durch Aufwinde. Da alle Luftbewegungen letztendlich Ihre Energie einmal aus der Sonne gezogen haben, ist es also quasi ein Fliegen mit Sonnenenergie.
Das Wetter und damit die Meteorologie sind eindeutig das wichtigste Thema in der Segelfliegerei. Als das Segelfliegen erfunden wurde, war das erste Ziel einfach oben zu bleiben. Man kannte eigentlich nur den Hangaufwind, also Aufwind auf der dem Wind zugewandten Seite von Bergen. Bald erkannte man dass es auch im Flachland Aufwinde gibt und zwar immer dann, wenn die Sonne lange genug auf den Boden scheint und damit die erdnahen Luftschichten soweit erwärmt dass diese wärmer und damit leichter als die darüber liegenden Luftmassen werden können. An irgendeiner Stelle bricht die wärmere Luft nach oben durch und steigt wie in einem unsichtbaren Kamin als Aufwindschlauch nach oben und kann dabei Schwalben, Bussarde und Segelflugzeuge nach oben tragen. Diese sogenannten thermischen Aufwinde oder einfach Thermik sind der Hauptauf und -antrieb für das Segelfliegen.

Die eine Hauptaufgabe des Segelfliegens ist also die Aufwinde zu finden und optimal zu nutzen. Als Beispiel: Um in einem passablen Aufwind 1000m Höhe gutzumachen braucht man ca 5-10 Minuten. Mit dieser Höhe kann ein Segelflugzeug nun eine recht große Strecke zurücklegen - die besten können damit etwa 60 km geradeausfliegen - das ist ein gutes Stück hinter dem Horizont! Natürlich fliegt man nicht bis hinunter zum Boden sondern z.B. von 1700 m auf 700 m, um dann neue Höhe zu tanken.

Damit wird ein Flug von unserem Flugplatz Marpingen/Saar bis in den Schwarzwald oder sonstwohin möglich. Die zweite Aufgabe ist es den  Flugweg, den man sich vorgenommen hat, anhand der Topographie und den vorgefundenen Aufwinde geschickt durchzuführen.  Dabei kann man mit viel Wissen und etwas Erfahrung eine Menge Dinge optimieren. Dies tut auch ein Surfer, der sich nicht nur so früh wie möglich für die beste Welle entscheidet, sondern auch darauf achtet, an der Stelle des Strandes zu surfen, wo die Wellen sich bei einem bestimmten Wind am besten aufbauen. Beim Segelfliegen sind halt nur einige Dinge wie die Aufwinde unsichtbar, der Strand hat einen Umkreis von ein paar hundert Kilometern und das ganze ist Voll -3D! Es ist ein Spiel mit dem Flugzeug, mit dem Wind, mit der Zeit mit der Natur.

Mit dem Drang zum Horizont kommt auch der Wunsch, sich bestimmte Ziele zu setzen und diese dann anzufliegen. Man kann natürlich an einem Tag einfach so weit fliegen, wie man kommt und dann landen. Ist dann aber das Wetter am nächsten Tag nicht günstig, muss man eventuell das Flugzeug am Boden zurückbringen. Deshalb nimmt man sich in der Regel Dreieckflüge vor, die wieder am Startpunkt enden sollen und eine interessante und vielversprechende Strecke darstellen.

Vom Flugplatz Marpingen aus kann das ein Flug über die Wendepunkte Dahlemer Binz, Donnersberg und zurück sein. Wenn man sich nicht zu große Strecken vornimmt, ist es an einem schönen Tag recht sicher, dass man die Strecke auch schafft. Jedoch wird derjenige, der die Aufwinde am besten nutzt und seinen Flugweg und Flugstil optimal gestaltet, die Route schneller zurücklegen können. Auf Meisterschaften werden deshalb Aufgaben vorgegeben und die schnellste Umrundung mit der höchsten Punktzahl bewertet.
Eine Meisterschaft dauert ein oder zwei Wochen und es werden an mehreren Tagen hintereinander Punkte gesammelt. Genau wie in der Formel 1 entscheidet also nicht ein einzelner,  glücklicher Sieg über den Titel.
Es gibt von kleinen regionalen Wettbewerben bis zu den Weltmeistermeisterschaften viele Gelegenheiten sich mit anderen Piloten und Pilotinnen zu messen.

Einen wirklichen Nachteil hat die Wettbewerbsfliegerei: Sie ist als Sportart im Fernsehen für das Publikum sehr schwer darzustellen - die Arena ist einfach ein bißchen groß und der Zieleinlauf bietet allein schon aus Sicherheitsgründen keine Kopf-an-Kopf- Rennen. Deshalb gibt es auch Rennen über sehr kurze Strecken, die dann aber mehrfach umrundet werden. Wie bei einem Rundstreckenrennen kann der Verlauf vom Boden aus verfolgt werden.
Aber auch nicht jeder Segelflieger will sich unbedingt in das Wettbewerbsgetümmel stürzen. Manchen ist das nicht leistungsgepüfte Streifen durch die Lüfte um seiner selbst willen genug. Andere haben sich das Erfliegen von Rekorden auf Ihre Fahnen geschrieben.
 
Durchgang durch die Rueckenlage Eine recht kleine Abteilung beim Segelfliegen ist das Kunstfliegen. Auch wenn man es einem Segelflugzeug nicht direkt ansieht, kann mit ihm nicht nur den bekannten Looping ausführen, sondern fast alle Figuren wie Rollen, Turns, Rückenflug, Messerflug, Trudeln usw. Auch hier ist der Antrieb die Höhe, die man vorher gewonnen hat und nun in Geschwindigkeit und lustiges Turnen umsetzen kann. Ein Motor wird nicht gebraucht.

Animation: Durchgang durch die Rückenlage in einer gesteuerten Rolle
           Film zum Download (ca. 5 MB):


 

Es wird wohl selten jemand auf die Idee kommen, eine Radtour mit dem Mofa durchzuführen, aber jeder weiß, dass ein Motor auch seine Vorteile haben kann. In der Segelfliegerei gibt es deshalb auch Motorsegler. Damit kann man auch mal in die Luft, wenn das Wetter gar nicht mitspielt oder man kann den Motor anwerfen, wenn das Wetter nachgelassen hat und man andernfalls irgendwo landen müßte. Es gibt grob 2 Kategorien von Motorseglern: den Reisemotorsegler, der sich in Richtung Motorflugzeug orientiert, aber meistens viel sparsamer ist und das Segelflugzeug mit Klapptriebwerk: Der ganze Motor kann in den Rumpf eingeklappt werden, und dann ist kaum noch ein Unterschied zum reinen Segelflugzeug sichtbar.